Bernstein Teil 1: Zwischen den Zeiten (German Edition) by Potrafke Bettina

Bernstein Teil 1: Zwischen den Zeiten (German Edition) by Potrafke Bettina

Autor:Potrafke, Bettina [Potrafke, Bettina]
Die sprache: deu
Format: epub
veröffentlicht: 2014-10-09T22:00:00+00:00


Der verwunschene Garten

Die Lust zum Malen war mir erst einmal vergangen und so schlenderte ich noch ein wenig durch die riesige Burganlage. Die Menschen, die mir auf meinem Weg begegneten, grüßten mich freundlich. Dennoch hatte ich das seltsame Gefühl, dass jeder einzelne meiner Schritte genau beobachtet wurde.

Hinter dem Turmhaus entdeckte ich einen versteckten, ziemlich verwilderten Garten, in dem Gemüse und Kräuter angebaut wurden. Etwas weiter hinten befanden sich einige Obstbäume, die voller reifer Früchte waren. Ich folgte dem schmalen, festgetretenen Pfad durch die Beete und näherte mich dem Obstgarten. Verborgen hinter den dichten Blättern der Bäume befand sich ein kleiner Holzverschlag, der, wie ich vermutete, Gartengeräte oder Sämereien beherbergte.

Das Häuschen war von samtigen, dunkelroten Kletterrosen, sowie rosa und weiß blühenden Clematis umrankt und wirkte so märchenhaft verwunschen, dass ich kurzerhand beschloss, es zu skizzieren.

Bedächtig wählte ich die richtige Perspektive und ließ mich wenig später im Schatten eines großen Apfelbaumes in das weiche Gras sinken.

Ich hatte noch keine zehn Minuten gemalt, als sich plötzlich die Tür des Häuschens öffnete und eine blond gelockte, junge Frau im Türrahmen erschien. Ich war ihr nahe genug, um ihr gerötetes, erhitztes Gesicht erkennen zu können. Sie jedoch schien mich nicht gesehen zu haben, da ein kleiner Johannisbeerbusch mich halb verdeckte.

Lachend griff sie an ihre Bluse und schloss die oberen Knöpfe. Als ich mich noch etwas verwundert fragte, was sie wohl in dem Häuschen gemacht hatte, erschien ein, mir inzwischen wohl bekannter junger Mann hinter ihr. Er umarmte sie, küsste ihren Hals und griff dabei an ihre vollen Brüste. Das Mädchen lachte abermals und zog seine Hände weg. Dann drehte sie sich abrupt um und küsste ihn zum Abschied auf den Mund.

Nun, die Frage nach dem Grund ihres Aufenthaltes hatte sich somit erledigt.

Ich duckte mich noch ein wenig tiefer hinter den Strauch und wünschte mir, nicht Zeugin dieses geheimen Stelldicheins geworden zu sein. Hoffentlich hatten sie mich nicht gesehen. Das Mädchen war längst aus meinem Blickfeld verschwunden, vermutlich war es höchste Zeit, den anderen in der Küche, oder sonst wo in der Burg zur Hand zu gehen.

Vorsichtig lugte ich hinter dem Johannisbeerstrauch hervor. Auch von Aiden war weit und breit nichts mehr zu sehen. War er etwa wieder zurück in die Hütte gegangen? Zumindest war er bislang nicht an mir vorbeigekommen, das hätte ich bemerkt.

Während ich nun neugierig und wesentlich unvorsichtiger meinen Hals reckte, fiel plötzlich von hinten ein großer Schatten auf mich. Ich erstarrte und drehte mich um.

„Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Eure Ladyschaft derartig frivole Vorlieben hat“, spottete Aiden.

„Frivole Vorlieben?“, keuchte ich, noch immer erschrocken.

„Nun, es hat dir doch ganz offensichtlich gefallen, Zeugin unserer Wollust zu werden.“

„Zeugin eurer Wollust? Spinnst du? Ich bin doch kein Spanner! Ich wollte lediglich diese verdammte Hütte malen!“, verteidigte ich mich wütend.

„Zeig her!“ Schon hatte er mir meinen provisorischen Malblock aus den Händen gerissen.

„Du kannst überhaupt nicht malen“, behauptete er nach einem kurzen abfälligen Blick auf meine ersten Bleistiftstriche. „Also wenn du mich fragst, dient dir dieses lächerliche Papier lediglich als Ausrede!“

„Ich frage dich aber nicht“, gab ich grob zurück und entwendete ihm grob meinen Zeichenblock.



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